| Die Stadt Agadir, an deren Stränden sich
nördlich und südlich die Hotelzonen hinziehen, hat davon nur noch wenig zu
bieten, obwohl hier wahrscheinlich schon in der Antike ein phönizischer und
später ein römischer Hafen lag und 1505 die Portugiesen eine Festung bauten.
Ein verheerendes Erdbeben zerstörte das alte Zentrum im Februar 1960 fast
völlig, rund 15 000 der damals 50 000 Einwohner kamen ums Leben. 1962 begann
der Ausbau Agadirs zu einem Seebad, die Ruinen der alten Stadt sind
unterhalb des Berges, auf dem die Reste der Kasbah thronen, noch zu sehen.
Die Kasbah selbst - eine traditionelle Verteidigungsanlage und Speicherburg
- wird in den nächsten Jahren wieder aufgebaut und soll in Zukunft eine
Museum rund um die Kultur der Berbervölker beherbergen.

"Wer typisch marokkanische Architektur und Alltagsleben erleben will, der
bekommt im Rahmen von Tagesausflügen ab Agadir einiges zu sehen", verspricht
Badr. Obwohl die klassischen Königsstädte Marrakesch, Fes, Meknes und Rabat
dazu zu weit entfernt liegen, gibt es viele Möglichkeiten. Zum Beispiel die
Stadt Taroudannt. Die größte und schönste Stadt in der Sous-Ebene zwischen
Hohem Atlas und Antiatlas erlebte im 17. Jahrhundert eine Blüte als Handels-
und Karawanenzentrum. "Klein-Marrakesch" nennen die Marokkaner wegen seiner
Lage vor der malerischen Kulisse der meist schneebedeckten Berge das
Kleinod. Eine sechs bis acht Meter hohe Lehmmauer - errichtet im frühen 18.
Jahrhundert - umgibt das alte Zentrum mit seinen verwinkelten Souks. In
diesen Marktvierteln gibt es nichts, was es nicht gibt. Berühmt ist die
Stadt für ihr Angebot an Silberschmuck, Lederwaren und
Kupferschmiedearbeiten. "Doch Achtung", warnt Badr, "bei uns wird gehandelt
- das gehört einfach zum guten Stil und zum Spaß am Geschäft".
Wer Agadir in Richtung Norden verlässt und immer die Küstenstraße
entlangfährt, passiert riesige, von hohen Mauern umgebene Grundstücke. "Hier
hat sich Prominenz aus den arabischen Ländern Feriendomizile gebaut",
erzählt Badr. Neben dem Bruder des marokkanischen Königs schufen sich hier
unter anderen ein Scheich aus den Vereinigten Arabischen Emiraten und der
Thronfolger des saudi-arabischen Königs Traumvillen, die allerdings für den
"Normaltouristen" nicht zugänglich sind.

Zu den Besonderheiten Marokkos gehört der Argana-Baum, der nur hier
wächst und dessen Früchte auf kuriose Art und Weise "geerntet"; werden.
Kleine schwarz-weiße Ziegen klettern behende durch die schwankenden Zweige
und fressen Blätter und auch die Früchte. Die Kerne spucken sie jedoch
geschickt wieder aus. Diese werden gesammelt und in mühsamer Kleinarbeit
geknackt, um aus den Kernen ein wertvolles, nussig schmeckendes Öl zu
gewinnen. Vor allem Frauen, die sich in Kooperativen zusammengeschlossen
haben, bestreiten dadurch ihren Lebensunterhalt. In Tamanar kann man eine
solche Kooperative besichtigen und das Argana-Öl aus erster Hand kaufen.
Essaouira - zu deutsch "das Bildchen" - trägt seinen Namen zu Recht. Die
malerische Stadt an der Küste hat sich ihren ruhigen Lebensrhythmus bewahrt.
Ein bisschen hektisch wird es hier nur, wenn die Sardinenfischer im Hafen
ihren frischen Fang versteigern. In den 1960er und 1970er Jahren gab es hier
eine Hippie-Kolonie. Noch heute erzählen Einheimische, dass selbst Rock- und
Popgrößen wie Jimi Hendrix und Cat Stevens damals nach Essaouira gekommen
seinen, um den Rhythmus der marokkanischen Trommeln zu studieren und für
ihre Musik zu nutzen. Die übersichtliche Altstadt wurde von der UNESCO auf
die Liste des Weltkulturerbes gesetzt und beherbergt vor allem Domizile von
Kunsthandwerkern und Malern. Essaouira ist bekannt für Möbeltischlerei,
Holzeinlegearbeiten aus Thuja- und Zitronenbaumholz sowie für Silberschmuck.
"Wie lange es noch so beschaulich bleibt in Essaouira, ist fraglich",
meint Badr. Bisher kommen vor allem Ausflügler aus Agadir und einheimische
Familien hierher. Doch Marokko hat große Pläne für die weitere Entwicklung
des Tourismus bis zum Jahr 2010. In deren Rahmen sind auch an der Bucht von
Essaouira einige große Hotelanlagen geplant. |
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