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Madeiras wilder Westen:
Die Insel genießt einen Ruf, dem sie auf den ersten Blick gerecht wird.
Blumeninsel nennt man Madeira, wo die Straßen gesäumt sind von Blumen, wo in
den Gärten Büsche von Weihnachtssternen und wuchernde Bougainvilleas stehen
und wo Bananen auf Plantagen angebaut werden.
Das Klima in diesen Breiten sichert Pflanzen aus
allen Erdteilen bestes Gedeihen. Es ist gleich bleibend warm, und
Feuchtigkeit ist in ausreichendem Maße vorhanden. Was Madeira so sehenswert
macht, ist neben der botanischen Wunderwelt die landschaftliche Vielfalt. Im
südlichen Küstengebiet breitet sich eine tropisch grüne Zone aus, im Zentrum
erhebt sich ein wildromantisches Gebirge mit Eukalyptuswäldern und einer
baumlos-kargen Hochebene, im Norden sorgen von Wellen umtoste Klippen für
ein bizarres Bild.
"Wer die Insel in ihrer ganz ursprünglichen
Schönheit sehen will, der verlässt die stark besiedelte Region um die
Hauptstadt Funchal mit ihren Hotelzonen und fährt in den wilden Westen
Madeiras", empfiehlt Teresa. Westlich des Encumeada-Passes, der die Insel
praktisch in zwei Hälften teilt, erhebt sich die Hochfläche Paúl de Serra
mit kargen Grasflächen, auf denen Schafe und Ziegen weiden. Straßen gibt es
zwar rund um den Westen Madeiras, seit einigen Jahren sogar eine sehr
moderne. Malerische Ecken und Buchten, die früher nur von See aus angelaufen
werden konnten, sind nun auch auf dem Landweg zu erreichen. Aber mit dem
Auto ist es trotzdem noch ziemlich anstrengend, diese über viele Auf- und
Abstiege mit Serpentinen und Spitzkehren anzufahren. "Obwohl die
Entfernungen auf unserer Insel nur kurz zu seinscheinen, sollte man sich für
eine Erkundungsfahrt in den westlichen Teil Madeiras mindestens auf eine
Tagestour einrichten", weiß Teresa.

Von Funchal aus geht es zunächst ein Stück
entlang der Südküste. Lieblich und freundlich erscheint hier die Landschaft.
Links und rechts der Straße tauchen terrassenartig angelegte Bananengärten
die Welt in ein sattes Grün. Tiefrote, leuchtend gelbe und himmelblaue
Farbtupfer setzen Weihnachtssterne, Ginster und Hortensien.
"Wenn der Inselentdecker Joao Goncalves Zarco
sich 1420 nicht die Bucht von Funchal als Regierungssitz auserkoren hätte,
dann wäre wohl heute Camera de Lobos Madeiras Hauptstadt", erzählt Teresa.
Zarco benannte den Ort nach den seinerzeit hier zuhauf lebenden
Mönchsrobben, die auf portugiesisch "lobos marinhos" heißen. Das malerische
Fischerdorf war das beliebteste Motiv von Sir Winston Churchill, der sich
hier ab 1949 während seiner vielen Urlaube auf Madeira der Malerei hingab.
Im Sommer kann man die Fischer bei der Arbeit beobachten, in einer
Markthalle wird am Wochenende eifrig gehandelt, und im September gibt es
mehrtägige Weinfeste.
Von Camera de Lobos geht es steil hinauf zum Cabo
Girao. Mit seinen 580 Metern Höhe gilt das Kliff als höchste Steilküste
Europas. Vom Aussichtspunkt gibt es einen herrlichen Blick über das Meer und
das grüne Küstenland. Das Städtchen Ribeira Brava (wilder Fluss) erhielt
seinen Namen schon Mitte des 15. Jahrhunderts von den ersten Siedlern, die
damals hier auf ein schnell fließendes Gewässer trafen. "Jahrhundertelang
lebte man von Zuckerrohranbau", erinnert Teresa. Mittlerweile wurde dieser
weitgehend vom Obstanbau abgelöst.
Der Tourismus hält hier nur sehr langsam Einzug,
obwohl täglich Ausflugsbusse Station machen. Einen Besuch wert ist das
kleine Ethnografische Museum von Madeira. Im tief eingeschnittenen Tal von
Ribeira Brava führt die Straße bis nach Serra d'Agua. Am gegenüberliegenden
Hang ist gut zu sehen, wie die Bauern der Insel selbst in extremen
Steillagen noch Felsterrassen anlegen und kleine Häuser bauen. Das letzte
Stück der Straße bis zur Passhöhe von Encumeada in über 1000 Metern Höhe
verläuft über viele Serpentinen, und bei Sao Vicente kommt man schließlich
an die zerklüftete Nordküste.
Auf einer kurvenreichen Straße, die teilweise in
den Fels gesprengt werden musste, erreicht man Porto Moniz. Unterwegs gibt
es hin und wieder eine Dusche durch einen kleinen Wasserfall, der sich von
den Bergen auf die Straße und weiter ins Meer ergießt. In Porto Moniz gibt
es eine Besonderheit Madeiras zu sehen: Die Insel hat keine Strände, dafür
aber Meerwasserschwimmbecken, die zwischen den Lavaklippen angelegt wurden
und in denen man unbehelligt von der Brandung baden kann. Auch in Seical
tosen die Wellen eindrucksvoll an die Felsen. Und während der Rückfahrt über
die Hochebene Paúl de Serra sieht man viele Levadas - ein Bewässerungssystem
auf weit verzweigten Kanälen - an denen entlang Wanderwege führen. |
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